MeMadeMittwoch: Nähkatze geht unter die Funktionsjackenträger

Demnächst fahre ich wieder einmal in den Urlaub, u.a. zum Wandern, aber auch zum Sightseeing in Städten. Dafür musste ich auf jeden Fall noch einige Stücke nähen. Weil wir meist nur mit einem Rucksack unterwegs sind, müssen die Kleidungsstücke praktisch sein und sich auch gut untereinander kombinieren lassen. Dass ich am zurückliegenden verlängerten Wochenende an die Ostsee zu Sewing-by-the-Sea gefahren bin, kam meinen Plänen sehr entgegen. Wie im letzten Jahr haben wir mit Alex und weiteren Nähsüchtigen drei Tage volle Nähzeit genossen... und bin ganz traurig, dass es schon wieder vorbei ist.

Ob Ihr's glaubt oder nicht: Das war der fantastische Blick aus unserem Schlafzimmerfenster in Scharbeutz
Meine Pläne waren sehr ambitioniert, vor allem, weil ich dieses Mal vorher noch auf Spontan-Dienstreise war und statt mit Julia aka Sewionista im warmen Auto aus Berlin zu fahren, musste ich mit dem Flugzeug und anschließend im kalten Zug anreisen.

Als Hauptprojekt habe ich mir einen Parka genäht, weil sich die Temperaturen im Urlaub auch tagsüber schnell ändern können. Diesen Parka aus der September-Burda 2012 wollte ich schon vor Jahren nähen, Stoff hatte ich schon gekauft, aber dann habe ich ihn für ein anderes Projekt vernäht und der Schnitt ging in Vergessenheit.


Hierfür habe ich einen dünnen, aber sehr dichten 3-Lagen-Softshell in Jeansoptik verwendet. Das Material hat den Vorteil, dass es keines Futters bedarf. Der Anbieter Extremtextil verspricht, dass der Stoff wasserabweisend, atmungsaktiv und wärmend sein soll. Das wird der Praxistest dann zeigen. Für die Nähte habe ich eine 80er Mikrotex-Nadel verwendet, die wie Butter durch die vielen Schichten ging. Ein Teflonfüßchen oder meinen Obertransport habe ich nicht benötigt. 


Die Kapuze habe ich um mindestens 5 cm in Länge und Tiefe gekürzt; sie ist noch immer zu groß hält aber ganz gut, wenn ich eine Mütze trage.




Ich habe außer für die Kapuze kein Futter verwendet und stattdessen die Nähte mit Pseudokappnähten versehen, damit sie stabil sind und auch von innen sauber aussehen. 

Erst habe ich den Stoff rechts auf rechts zusammengenäht, dann eine Seite gekürzt, nach rechts gelegt und anschließend knapp und füßchenbreit abgesteppt = meine Pseudokappnaht.
Die Bindebänder, die bei Burda aus dem Hauptstoff genäht sind, habe ich gekauft, weil genähte Bänder aus einem dehnbaren Material ihren Zweck nicht erfüllen. 

Bisher hat der Mantel auch noch keine Taschen, weil ich die bereits zugeschnittenen Boxbeuteltaschen ebenfalls riesig sind und durch das Material stark abstehen würden. Hierfür werde ich kurzfristig doch noch eine Lösung finden müssen. 

Schließlich habe ich die Stellen, wo ich die Druckknöpfe angebracht habe, mit Kunstleder verstärkt. Bei meinem alten Softshellmantel waren das die kritischen Stellen, wo die Knöpfe häufig aus dem Stoff gerissen sind. So wird hoffentlich alles halten.

Den Besatz habe ich mit einem gemusterten Band versäubert - ein bisschen Schnickschnack kann das Innenleben des Mantels vertragen. 
Wie ich auf Instagram schon geschrieben hatte, war der Parka eines der aufwändigsten Projekte, die ich jemals genäht habe. Nicht die Passform war die Herausforderung, sondern die vielen vielen Details, die man an einem Funktionskleidungsstück so schätzt. 

Die vielen Details haben das Projekt sehr zeitaufwändig gemacht.
Dass ich den Softshell nicht bügeln konnte, hat das Projekt nicht einfacher gemacht. Letztendlich bin ich aber sehr zufrieden mit dem Parka und habe ihn auch schon tageweise probegetragen.



Ein großes Dankeschön schicke ich an Denise aka Goldengelchen, die die Fotos von mir bei der Abschlusspräsentation bei Sewing-by-the-sea gemacht hat. Und nun mische ich mich unter die anderen nähverrückten Frauen beim Me-made-Mittwoch.

Kommentare

  1. Hallo,

    guter Tipp die Pseudokappnähte, eine Softshelljacke fehlt mir auch noch. Schade, dass nicht alle Bilder zu sehen sind, ob das nur bei mir so ist?
    lg
    Monika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Bilder sollten eigentlich alle sichtbar sein. Allerdings sind die Detailfotos recht groß.

      Löschen
    2. Ich kann ganz wunderbar alle Bilder sehen.

      Löschen
  2. Cooles Stück;
    glaube ich gern, dass der Softshell nicht so ganz einfach zu händeln war, aber die Arbeit hat sich ja gelohnt.
    Bei mir steht auch ein Parka an, um meine Übergangsjacke zu ersetzen, auch ein älterer Burdaschnitt, aber aus Jackenpopeline und Futter.
    Bezüglich der Taschen würde ich mich mal bei den diversen Parkaschnitten aus den Burdas umschauen; da gibt es sicher ein paar Taschen, die du statt der Blasebalgtaschen aufsetzen kannst.
    LG von Susanne

    AntwortenLöschen
  3. Das ist ein sehr schöner Parka geworden; das mit der Kapuze sehe ich nicht tragisch, denn wie du schreibst passt so auch besser eine zusätzliche Mütze drunter. Mache ich mit meiner zu großen Kapuze am Wollmantel ebenso.

    LG
    Ulrike

    AntwortenLöschen
  4. Mit den ganzen Details war die Jacke bestimmt sehr aufwändig zu nähen. Das Ergebnis sieht jedenfalls sehr gelungen aus, und Kapuzen sind immer zu groß. Dann drücke ich dir die Daumen, dass sie sich bewährt und wünsche schon mal einen schönen Urlaub! LG Christiane

    AntwortenLöschen
  5. Erfahrungsgemäß hat man von solchen Nähprojekten tatsächlich am meisten. Vor allem vermutlich, wenn das Ergebnis so schön ist, wie dein Parka! Aber, dass du das alles an einem Wochenende geschafft hast, finde ich Nähschnecke unglaublich...
    LG, Bele

    AntwortenLöschen
  6. Sehr sehr schöner Parka. Softshell ist dankbar. Auch im Nähen. Ich hatte mir mal eine Jacke extra für Hamburg genäht, eher Kurzmantel oder Langjacke. Wie mans nimmt.
    lg monika

    AntwortenLöschen
  7. Das aufwändige nähen hat sich gelohnt, die Jacke sieht toll aus 7nd wird die hoffentlich lange Freude machen. Lg, Birgit

    AntwortenLöschen
  8. Klasse! Besonders auf den Detailaufnahmen sieht man deutlich, wie aufwendig und liebevoll gemacht Dein Parka ist. An dem Praxistest wäre ich sehr interessiert und würde mich freuen, wenn Du bei Gelegenheit mal darüber berichtest. LG Manuela

    AntwortenLöschen
  9. Das ist ja mal ein schöner Softshell und natürlich auch ein toller Parka. Da hast du ja ordentlich diszipliniert gearbeitet an dem Wochenende.
    Liebe Grüße
    Sylvia

    AntwortenLöschen
  10. Wow, was für tolle Details! So ein Parka ist echt aufwändig zu nähen. Hut ab! Schön ist die helle Farbe und überhaupt bist Du jetzt für Wind und Wetter gerüstet. Klasse. LG Kuestensocke

    AntwortenLöschen
  11. Das ist ja ein toller Parka! Sieht nach einem sehr alltagstauglichen Kleidungsstück aus, und Du kannst es jetzt ja im Urlaub ausgiebig testen. Aber Taschen fehlen wirklich noch, oder gibt es Innentaschen?
    LG Barbara


    AntwortenLöschen
  12. Toll bis ins Detail, sogar die Druckknöpfe sehen besonders aus.
    Ein Meisterstück.
    Lieber Gruß
    Elke

    AntwortenLöschen
  13. das glaube ich gern, daß es sehr aufwändig zu nähen war, aber ich finde, es hat sich gelohnt. So toll und perfekt kann ein gekauftes Teil gar nicht aussehen.

    LG Bella

    AntwortenLöschen
  14. Den Parka finde ich super. Die ganzen Details machen Mühe, aber am Ende auch ein geliebtes Kleidungsstück aus. Ich wünsche dir damit ganz viele tolle Urlaube und Alltagstage :)

    AntwortenLöschen
  15. Ich ziehe alle Hüte! Einen wundervollen Parka hast Du Dir da gezaubert! Toll! Liebe Grüße! Karin

    AntwortenLöschen
  16. Ich beneide dich um das tolle nähwochenende und das unglaubliche Ergebnis!!! Für meinen nächsten parka wede ich mir sicher ein paar Details abschauen... lg Sarah

    AntwortenLöschen
  17. Ich habe aus Softshell noch nichts genäht, aber wenn dann habe ich jetzt die Mikrotex-Nadel im Hinterkopf gespeichert. Und wenn ich fragen darf : beim Auftrennen bleiben keine Spuren am Stoff oder muss man so vorsichtig wie bei Leder sein?
    Deine Parka ist perfekt geworden. Bei so einem Projekt mit all den Details ist Zeit und Geduld angefragt, von Nähkentnissen ganz zu schweigen. Einen schönen und erholsamen Urlaub!
    LG
    Ewa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Ewa, beim Auftrennen blieben bei mir keine sichtbaren Stiche im Stoff. Allerdings beseht meines aus drei Lagen, inkl. einer Membran, und diese Membran wird durch die Stiche zerstört. Daher empfiehlt es sich, zum Stecken besser Klammern zu benutzen oder nur dort zu stecken, wo später die Naht verläuft.

      Löschen
  18. Es sind genau die vielen kleinen Details, die so einen Parka zu einem ganz besonderen Stück machen. Das Ergebnis sieht sehr schön aus. Der Parka wird dir bestimmt lange gute Dienste leisten.
    Ich wünsche dir einen schönen Urlaub! LG Yvonne

    AntwortenLöschen
  19. Dieses Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
    Grüßle Bellana

    AntwortenLöschen
  20. Jetzt habe ich gleichzeitig deinen tollen Parka bewundern dürfen und auch noch dazu gelernt. Ich wusste dass viele für Softshell die Klammern nutzen, weil die Schichten einfach so dick werden. Aber gut zu wissen, dass das sowieso angebracht ist. Vielen Dank für den Tipp wo du ihn gekauft hast. Der Stoff gefällt mir nämlich richtig gut. Ich bin sehr begeistert von deinem Ergebnis. Für diese vielen Schritte war das lange Nähwochenende ja wirklich perfekt.
    Viele Grüße, Melanie

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts